Nissens Woche
Es hat seinen Reiz, sich eine Zeit lang außerhalb der menschlichen Gesellschaft zu bewegen. Ich nutze diese Tage zur Erkundung abseitiger Wege. Zuerst ein Stück des Limes oben auf dem Taunuskamm. Ich hatte das 28er Trekkingrad dazu gewählt und merkte bald, dass ein Mountainbike viel besser geeignet wäre, durch den Wald auf dem schmalen Grenzwall aus dem Jahr 160 nach Christus über die Wurzeln zu hoppeln, zumal es kurz nach dem Start zu regnen begann, die Wurzeln rutschig und die erdigen Partien immer matschiger wurden.
Adieu Zivilisation
Nicht wirklich spaßig. Aber: während der sechsstündigen Regentour stellte sich heraus, dass die Regenklamotten tatsächlich wasserdicht sind. Und nicht weit vom römischen Kleinkastell Holzheim im Holzheimer Unterwald fand ich eine Kolonie Nebelkappen. Eine reichliche Mahlzeit meiner Lieblingspilze.
Auf dem Saar-Hunsrück-Steig ist wirklich niemand
Seit Donnerstag wandere ich mit Freund Traugott auf dem verregneten Saar-Hunsrück-Steig. Da ist wirklich niemand. So einsam ist es, dass wir hinter der Ortschaft Langweiler (gibt es wirklich) direkt am Weg einen kindskopfgroßen Steinpilz entdeckten. Es gab eine kurze Diskussion, ob wir ihn abpflücken oder nicht. Wir haben keine Kochgelegenheit. Wir lassen ihn und die vielen anderen Parasole, Röhrlinge Nebelkappen und Steinpilze schweren Herzens zurück. Die Hundsrückgasthöfe bieten Trost. Der Burgkeller in Bruchweiler bietet Spießbraten, der auf offenem Feuer gegrillt wird. Die Legende sagt, dass zurückgekehrte Auswanderer aus Brasilien das Grillrezept mitgebracht haben. Und die Alte Mühle in Börfink bietet ausschließlich Kohlrouladen mit Salzkartoffeln. Die sind alternativlos und schmecken lecker.
Der Wirt ersetzt Fernsehgerät und Wlan
Beeindruckend finde ich auch, dass wir im Hunsrück bisher noch keine Unterkunft mit Fernsehgerät im Zimmer entdeckt haben. Das es das in Deutschland noch gibt! Wir wagen gar nicht, nach Wlan-Anschlüssen zu fragen. Brauchen wir auch nicht, denn sämtliche Informationen über die Gegend bekommen wir vom Wirt. Er hat Zeit genug zum Schwätzen, weil wir die einzigen Gäste sind. Es ist super hier. Und wenn wir die Wanderstrecke abkürzen wollen, gehen wir einfach auf die Gleise der stillgelegten Hunsrückbahn, durch den stockdunklen Tunnel und über das höchste gemauerte eingeschossige Eisenbahnviadukt Europas. Schwer zu sagen, was uns noch erwartet.